DIN 19643 Teil 2 — Verfahrenskombinationen und Filterpflichten
Filtergeschwindigkeit, Flockungsmittel-Wahl, Differenzdruck-Trigger und Rückspül-Doku — verständlich erklärt mit Praxis-Beispielen.
Filtergeschwindigkeit ≤ 30 m/h
Die DIN 19643-2 begrenzt die Filtergeschwindigkeit auf 30 m/h für Festbett-Filter und 5 m/h für Anschwemmfilter. Wer diese Werte überschreitet, riskiert eine ineffiziente Aufbereitung — die Hilfsparameter (besonders Trübung und Aluminium) entgleisen, das GA moniert die Verfahrensführung.
Praxis-Tipp: Berechnen Sie die effektive Filtergeschwindigkeit nicht aus der Pumpen-Nennleistung, sondern aus dem realen Durchfluss bei Saugzustand des Filters. Über die Lebensdauer der Filter sinkt der Durchsatz — mit BäderDoku können Sie diese Drift im Differenzdruck verfolgen.
Flockungsmittel: Aluminium vs. Eisen
Die DIN erlaubt zwei Flockungsmittel-Familien: Aluminium-Verbindungen (z.B. Aluminiumsulfat) und Eisen-Verbindungen (z.B. Eisenchloridsulfat). Die Wahl beeinflusst den pH-Sollbereich:
- Aluminium-Flockung: pH-Sollbereich 6,5 – 7,2. Das engere Fenster ist anspruchsvoller in der Dosierung, aber typisch für Hallenbäder mit hohem Klärungs-Bedarf.
- Eisen-Flockung: pH-Sollbereich 6,5 – 7,5. Das breitere pH-Fenster ist toleranter, kann aber zu leichter Wasser-Verfärbung führen.
Differenzdruck als Rückspül-Trigger
Die DIN 19643-2 schreibt den Differenzdruck als primären Rückspül-Trigger vor: Sobald die Druckdifferenz zwischen Filter-Eingang und -Ausgang einen anlagenspezifischen Wert (typischerweise 0,2 – 0,4 bar) überschreitet, ist die Rückspülung fällig. Zeit-basierte Rückspülung („immer Montag 6 Uhr") ist NICHT ausreichend.
Praxis-Tipp: Dokumentieren Sie pro Rückspülung: Datum, Uhrzeit, Differenzdruck-Wert vor der Spülung, Spülwasser-Menge, Spülgeschwindigkeit und den durchführenden Operator. Im GA-Audit ist diese Spur Gold wert.
Spülwasser-Menge und Spülgeschwindigkeit
Festbett-Filter werden mit etwa 50 – 60 m³/m² Filterquerschnitt gespült, Anschwemmfilter werden vollständig entladen und neu beladen. Spülgeschwindigkeit für Festbett: 50 – 60 m/h, kurzzeitig auch höher zum Auflockern. Spüldauer typisch 5 – 8 Minuten.
Doku-Pflicht: Was muss erfasst werden?
Nach DIN 19643-2 muss pro Rückspülung dokumentiert werden:
- Datum und Uhrzeit
- Trigger (Differenzdruck-Wert oder Zeit-Trigger)
- Spülwasser-Menge in Liter / m³
- Spülgeschwindigkeit
- Durchführender Schichtleiter / Operator
- Auffälligkeiten (z.B. starke Trübung der Spülwasser)
BäderDoku bietet hierfür ein eigenes Filter- und Rückspül-Modul mit Differenzdruck-Trigger-Alarm und vorausgefüllten Vorlagen. Details siehe Funktionen oder Pillar-Seite zur DIN 19643.
Häufige Audit-Befunde
Die häufigsten Beanstandungen im GA-Audit zu Filter & Flockung:
- Rückspülung nur zeit-basiert, kein Differenzdruck-Nachweis
- Spülwasser-Mengen werden geschätzt, nicht gemessen
- Flockungsmittel-Wechsel ohne pH-Sollbereich-Anpassung
- Filtergeschwindigkeit über 30 m/h bei Volllast (Hochsaison)
- Kein Differenzdruck-Verlauf über die Filter-Lebensdauer